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Ich würde nicht ausschließen, in Zukunft nochmal Vater zu werden - ab 17. Dezember Bestbesetzung mit Boris Becker auf Magenta TV

Auf der ganzen Welt kennt man den deutschen Ausnahme-Tennisspieler Boris Becker. Vom Wimbledonsieg 1985 ging es sportlich konstant bergauf, dann auch mal wieder bergab – wie das Leben so spielt – die Öffentlichkeit nahm teil am Tun und Handeln des heute 53-jährigen Leimeners. Nach zwei Ehen, mit vier Kindern, auf die er sehr stolz ist, wohnt Boris Becker heute in London. Als verheirateter Mann sei er immer am glücklichsten gewesen, sagt Boris Becker und schließt eine weitere Heirat und Kinder nicht aus. Das erzählt er in einem einfühlsamen und sehr offenen Gespräch mit Johannes B. Kerner. In der 7. Folge von Bestbesetzung präsentiert Johannes B. Kerner Tennislegende Boris Becker von einer anderen Seite. Diese Bestbesetzung wird ab Donnerstag, 17. Dezember 2020, bei MagentaTV / Telekom gestreamt.

… über Maskenpflicht
„Ich habe geschwärmt, als ich über meine Spaziergänge im Park berichtet habe, dass mich endlich mal keine Sau erkennt. Ich war froh – mit der Maske, Mütze und Schal konnte ich im Frühjahr in London, vogelfrei wie noch nie, einfach stundenlang durch die Straßen laufen.“

… über das bessere Gesundheitssystem in Deutschland
„Ich hab mich mit meinen Kindern viel unterhalten. Gerade mein ältester Sohn, Noah, lebt in Berlin. Der hat mich gefragt: „Du Papa, soll ich nach London kommen oder soll ich in Berlin bleiben?“ Da habe ich ihm gesagt: „Ich glaube die medizinische Versorgung in Deutschland ist besser als im Vereinten Königreich. Bleib mal lieber in Berlin. Ich überlege sogar nach Deutschland zu gehen, weil ich mich da vielleicht sicherer fühle.“ Habe ich dann nicht gemacht, weil ich meine vier Wände in London habe. Über all diese Themen sind wir auch als Familie enger zusammen gerückt.“

… über seine Mutter
„Das erste, was ich da gemacht habe, als ich hörte „Lockdown in Deutschland“ und von der Pandemie erfahren habe, ich fragte natürlich meine Mutter: „Brauchst du irgendwas? Wie gehst Du damit um? Bist du gesund? Soll ich was organisieren?“ Da sagt sie in ihrem ureigenen Stil „Junge, ich habe den zweiten Weltkrieg überlebt, ich bin Flüchtling, so ein Virus wird mich nicht umhauen.“

… über Ion Tiriac
„Ion Tiriac hat es geschafft, erst mal gar nicht mit meinem Vater, sondern sich mit meiner Mutter anzufreunden. Sie ist gute Köchin, lädt immer nach Hause ein, wo man sich erstmal eine Stunde lang über die gute Küche meiner Mutter unterhalten kann. Also ganz cleverer Schachzug vom Ion. Erst viel später hat er meinem Vater erklärt, dass er auch einen Sohn hat, etwas jünger als ich. Das er garantieren kann, das er auf mich genau so aufpasst, wie auf seinen eigenen Sohn – dass ich quasi Familienmitglied der Familie Tiriac werde. Er kann mir nicht garantieren erfolgreich zu sein, er kann nicht garantieren, dass ich viel Geld verdiene. Aber er kann garantieren, dass er sich so um mich sorgt und er die Voraussetzungen und das Talent in mir erkennt, dass aus mir doch ein passabler Tennisspieler werden kann. Aber dazu braucht er ein bisschen Zeit.“

… über seinen fast verpassten Wimbledon Sieg
„In der vierten Runde gegen Tim Mayotte hab ich mir meinen Fuß vom Vorjahr wieder verletzt. Bin umgeknickt und wollte ihm die Hand schütteln – ich halte schon die Hand so übers Netz. Mein Glück war dann, Tiriac und Bosch rufen rein: „Lass dir Zeit, Junge! Ruf den Physio an, Chuck Norris, der soll vorbeikommen. Da wirst du wieder klar, vielleicht hast du nichts Schlimmes. Lass deinen Fuß verbinden.“ Wäre Tim Mayotte am Netz gestanden, hätte ich ihm die Hand gegeben. (Kerner: Und Hand geben, heißt aufgeben. Match vorbei) Match vorbei. (Kerner: Dann hätte es keinen 17-jährigen Leimener gegeben) Dann wäre die ganze Geschichte nicht passiert und würden wir hier so wahrscheinlich nicht sitzen.“ 

… über seinen Wimbledon Sieg 1985
„Ich habe wirklich nach oben geguckt: „Lieber Gott, ich mach jetzt alles, was du von mir willst. Gebe mir viermal den leichtesten Aufschlag – bitte.“ Ich habe da so Selbstgespräche mit mir geführt und auf den Himmel geblickt. (Kerner: Du wärst jeden Deal eingegangen?) Alles! Alles, egal was. Gib mir bitte noch vier Punkte. So ist es dann passiert: erster Aufschlag 15 beide, erster Aufschlag 30:15, erster Aufschlag 40:15 (Kerner: zwei Matchballe), zwei Matchballe, die Hand. Dann geht es wieder los: totale Verkrampfung, Doppelfehler, aber ganz schlimmer Doppelfehler. (Kerner: Der Ball, der normalerweise eine Runde kostet) Der Ball ist nicht hoch aus meiner Hand, der war eingeklemmt. Also unmöglich. Dann wieder Zwiegespräch mit dem lieben Gott: „Bitte, bitte, bitte, gib mir den letzten Aufschlag. Weil der zweite, weiß ich nicht, wo der hingeht.“ Und der erste Aufschlag kam, hab dann auf seine Rückhand serviert und so ein Halb-Ass gemacht. Ja, und dann hab ich gemerkt – am Applaus und bei den Geräuschen, dem Lärm – auch in mir gab es Emotionen, die ich so nicht kannte, in der Form. Irgendwas ist anders. Irgendwas hat sich verändert, was wusste ich in der Sekunde noch nicht, ich wusste nur, das sich etwas verändert.“ 

… über seine Kinder 
„Elias und Anna sind ja nur sechs Monate auseinander. Und auch mit den beiden habe ich mich mal hingesetzt und gesagt, in meiner ureigenen Art: „Ihr wisst schon, dass ihr nur sechs Monate auseinander seit? Ihnen erklärt, was passiert ist. Aber unsere Stärke macht eben aus, dass wir das als Familie bewältigt haben. Und heute, sag ich, war es kein Fehler, sondern es war ein Glücksmoment. Ein kurzer Moment hat natürlich mein Leben verändert.“ 

… über seine Patchworkfamilie
„Dass wir heute als eine Familie funktionieren, ist das achte Weltwunder. Dass das in der Form geht – toi toi, toi – bis heute sehr gut geht, war die schwierigste Aufgabe. Und wir alle haben sie gemeistert. Weil wir – glaube ich – alle realisieren, miteinander ist besser, ist schöner. Wir sind alle eine Familie, wir haben das gleiche Blut. Und deswegen war das die schwierigste Aufgabe und das schönste Erfolgserlebnis.“

… über seinen Kampf gegen Rassismus
„Alle meine vier Kinder sind 50% schwarz. Punkt. Das ist meine Familiengeschichte. Das Thema Rassismus geht mir sehr nah, geht unserer Familie sehr nah. Wenn man die großen Probleme der Welt heute betrachtet – Corona momentan die Nummer eins – da ist Rassismus ein Problem, das es schon seit Ewigkeiten gibt – und das leider noch immer groß ist und Menschen einfach aufgrund ihrer Hautfarbe schlechter behandelt werden. Punkt. Und die meisten Menschen sind eben nicht weiß. Und damit beschäftige ich mich schon seit 27 Jahren. Eben seit der ersten Ehe mit Barbara, wo wir auch Noah bekommen haben. Und seitdem ist das ein Thema – für mich, für die Familie Becker. Früher war ich vielleicht ein bisschen schüchtern und wollte das nicht ausdrücken, weil das nicht so zum Tennisspieler gepasst hat. Heute bin ich mutiger. Ich bin heute alt genug, belesen genug, etwas erfahrener als noch vor 20 Jahren, dass ich mich zu bestimmten Themen einfach auch öffentlich äußere. Ich habe ein Forum, hier und da hören mir ein paar Menschen zu, ich kann das in deutsch und englisch. Insofern mach ich Gebrauch von diesem Recht.“

… über seine schlimmste Niederlage
„Meine schlimmste Niederlage war gegen Stefan Edberg, 1990. Wimbledon Finale, wo es um die Nummer eins ging. Ich habe die ersten beiden Sätze verloren, habe den dritten, vierten gewonnen und war dann Break vorne im fünften. Und hätte mit diesem Sieg auch Weltranglistenplatz eins gesichert, auch bis Ende des Jahres. Und danach war ich echt down, also das tat richtig weh.“ 

… über Michael Stich
„Wir waren jetzt nicht eng befreundet. Aber muss ich mit jedem Tennisspieler eng befreundet sein? Also wir waren Kollegen, wir haben Davis Cup zusammen gespielt. Und die Tatsache, dass wir uns doch irgendwo verstanden haben, spricht eben dafür, dass wir Olympia-Gold gewonnen haben. Ich ganz sicher wegen ihm und ich hoffe, er sagt auch wegen mir hat er es gewonnen. Und das wird uns immer verbinden.“ 

… mögliche weitere Hochzeiten und Kinder
„Für mich waren die schönsten Momente Vater zu werden. Ich war bei drei von den Geburten meiner vier Kinder dabei. Und es war ein absolutes Glücksgefühl. Ich würde nicht ausschließen, in Zukunft noch mal Vater zu werden. Ich würde auch nicht ausschließen, noch mal zu heiraten. Weil meine schönsten Lebensphasen waren als verheirateter Mann.“

… über Herausforderungen
„Ich bin auch im Glauben daran, dass man immer nur die Aufgaben bekommt, die man auch bestreiten kann. Ich habe ein besonderes, ein schwieriges, ein anderes Leben immer schon gelebt. Ob ich es wollte oder nicht. Und ich habe auch meine Fehler gemacht – wer hat das nicht?“

… über Respektlosigkeit
„Das ist ein Phänomen, wie mich einige – ich will nicht sagen alle, aber doch einige – in der deutschen Medienlandschaft einfach behandeln. Wie sie mich verletzen, wie sie mir schaden. Ich frage mich oft: „Warum ist das so?“ Vielleicht wollen sie einen Helden, einen früheren Helden, fallen sehen. Vielleicht hilft es der Auflage von der ein oder anderen Zeitung oder dem ein oder anderen Magazin. Was auch immer der Grund ist, also man geht mit mir hier wirklich teilweise respektlos um.“