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Streamingstart am 28.07.22 auf MagentaTV Bestbesetzung - Johannes B. Kerner trifft Thomas Gottschalk - Ich möchte mit der Menschheit meine Freude am Samstagabend teilen, aber nicht mein Frühstücksei

Johannes B. Kerner spricht in seinem Talkformat Bestbesetzung bei MagentaTV, dem innovativen TV-Anbieter der Deutschen Telekom, mit großen Persönlichkeiten unserer Zeit. In der aktuellen Ausgabe, gestreamt ab dem 28. Juli 2022, hat er Showmaster-Legende und „Wetten dass …?“-Quotenkönig Thomas Gottschalk (72) zu Gast. Im Interview erzählt der trendige Blondschopf von Schicksalsschlägen, die sein Leben prägten, und äußert sich kritisch pointiert über Social Media und gesellschaftliche Veränderungen. Eine Bestbesetzung zwischen humorvollen Anekdoten über Barbara Schöneberger und was Gottschalks Erfolg mit älteren eingeölten Damen zu tun hat.

… über mögliche Wetten, dass …? Gäste 2022
Ich habe gestern mit dem Unterhaltungschef des ZDF telefoniert, der sich um diese Themen kümmert – er hat die richtigen Namen genannt. Er hat gesagt: „Stell dir vor, am Ende singt Queen ,We are the champions (…)‘ – da sind wir richtig! Und auch wenn Paul McCartney mit 80 reingeschoben wird – da sind wir auch richtig.“ Aber: Auch mit Pink sind wir richtig. Wir sind nicht richtig mit Mark Forster oder mit Lena Meyer-Landrut, behaupte ich. Nichts gegen diese verdienten Künstler, aber es ist tatsächlich für mich wichtig, dass wir eine „Größe“ zeigen, die man mir nicht erklären muss. Wenn man mir sagt: „Hier kommt jemand rein, die wirst du nicht kennen, hat aber 3 Millionen Follower.“ Dann sag ich: Sie soll gleich im großen Bogen hinten wieder raus gehen. Ich sage dann: 3 Millionen Follower sind gerade an uns vorbeimarschiert. Es gibt andere hübsche Geschichten: Menschen sitzen in der Achterbahn, der im ersten Wagen wirft was hoch, der im letzten Wagen fängt es auf. Das hört sich gut an – das sind Geschichten, von denen ich lebe.

… über Lebenskrisen
Im Leben eines Showmasters bleibt man nicht von Wirklichkeit verschont: dem der Vater früh wegstirbt, der nach 40 Jahren seine Frau verlässt. Das sind Dinge, die mit Ernsthaftigkeit zu tun haben. Die kannst du nicht weglächeln, nicht weggrinsen, nicht wegspötteln und nicht weglachen. Aber du kannst sie, wie man an mir sieht, überleben und einen Gewinn daraus ziehen.

… über Social Media
Beim Twittern habe ich gemerkt, dass ich mich plötzlich Menschen öffne, denen ich sonst die kühle Schulter gezeigt habe. (Darum) habe ich es abgeschlossen, denn das bringt mich in den Wald. Das lässt mich die Prinzipien, nach denen ich den Großteil meines Lebens verbracht habe, ad absurdum führen. Ich möchte mit der Menschheit meine Freude am Samstagabend teilen, aber nicht mein Frühstücksei. Ich habe ein Problem mit Followern, die bereit sind, ihr eigenes, teilweise tragisches Leben hintenanzustellen, um ein Scheinleben mit einem anderen Menschen mit zu leben.

… über seinen Glauben
Ich konnte nie an die leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel glauben – selbst wenn es ein päpstliches Dekret ist – oder an die unbefleckte Empfängnis. Das ist ein biologischer Unsinn, an den ich nicht glauben kann und will.

… über seinen Erfolg
Es kann nicht alles angenehm sein. Ich nehme billigend in Kauf, dass man einen Tisch bekommt, der nicht gerade unmittelbar neben der Toilette ist, und dass man mit „Herr Gottschalk“ begrüßt wird, egal wohin man kommt im deutschsprachigen Raum. Ich muss also auch billigend in Kauf nehmen, wenn sich mir von Sonnenöl verschmierte ältere Damen in die Arme werfen und mein Hemd ölig machen – das passiert bisweilen.

… über seine Arbeit
Ich habe mich immer als einen Erzeuger von Seifenblasen gesehen, die zurecht relativ schnell geplatzt sind. Dann darf man sie auch nicht mehr hinterfragen.

… über sein neues Leben
Mir hat es im Leben durchaus gutgetan, aus der Schiene zu fliegen – weil du dich neu justierst. Ich säße sonst wahrscheinlich in Malibu wie viele Menschen meines Alters und würde in den Sonnenuntergang reiten.

… über sein Elternhaus
Es ist ein Schrein. Da sind die Bücher meiner Mutter, liegt die Brille meiner Mutter, und da stehen die Hausschuhe meiner Mutter im Windfang. Und es hängt dort der Spruch „Gott segne alle, die hier gehen ein und aus, lege seinen Segen auf dieses Haus.“ Dieses Haus hat das etwas spießige Sechzigerjahre-Feeling behalten.

… über Wer wird Millionär?
Ich glaube mich zu erinnern, dass man mir „Wer wird Millionär?“ mal in der frühen Phase angeboten hat – mir wurde damals alles angeboten. Ich hätte dieses Format nach zwei Jahren in die Grütze moderiert, weil ich jedem, der irgendwas wusste, gesagt hätte: „Was bist du für ein Typ, der so eine Scheiße weiß“, und weil ich notfalls geholfen hätte und weil ich gesagt hätte: „Komm, lass es, nimm deine Million und hau ab, aber lass mich in Ruh damit.“

… über Lebensveränderungen
Von München nach Malibu war kein Problem, von Malibu zurück nach Baden-Baden auch nicht – auch wenn der Grund dafür war, dass mir die Mühle weggebrannt ist und meine Beziehung nach 40 Jahren zu einem Ende gekommen war. Das war durchaus eine Zäsur in meinem Leben.

… über die katholische Kirche
Ich brauche die Kirche wie eine Louis-Vuitton-Tasche: Ich habe beides. Also die katholische Kirche ist genau da, wo die ARD ist – sie braucht keiner mehr.

… über Krisen wie Klima, Inflation und Politik
Ich bin ein Mensch, der im Jetzt lebt, und Dinge, die uns heute beunruhigen, werden für die kommenden Generationen Probleme mit sich bringen. Davon werde ich nichts mehr mitbekommen. Ich verbringe keine schlaflosen Nächte wegen der möglicherweise bedenklichen Zukunft meiner Enkel. Das muss mein Sohn hinkriegen, das müssen meine Enkel hinkriegen, sonst ist die Lebensfreude schnell weg.

… über den Tod seines Vaters
Nach dem Tode meines Vaters fühlte ich mich für die gute Laune in der Familie zuständig. Für mich ist Depression etwas, was mich psychisch runterzieht. Mich stören Menschen in meiner Umgebung, die traurig sind oder die in irgendeiner Form missmutig sind.

… über den Erfolg von Wetten, dass …? 2021
Ich habe nicht geglaubt, dass die Langsamkeit von Wetten, dass …? und die Bräsigkeit so einer Veranstaltung überhaupt noch irgendetwas bei jungen Leuten bewirkt. Aber da hatte ich mich getäuscht. Ich glaube, es haben viele zugeschaut, die sich an gute vergangene Zeiten erinnert gefühlt haben.

… über das Ende seiner Karriere
Es wird für mich den Moment geben, wo ich sage: „Das kann man den Leuten nicht mehr zumuten.“ Wann dieser Moment gekommen ist, wirst mir im schlimmsten Fall du (Kerner) sagen – aber im besten Fall werde ich das getwittert bekommen oder werde es auf TikTok lesen. Man wird mir sagen, wo Schluss ist, und ich werde es merken. Wenn man mir erklären muss, wie die Sendung heißt, wenn ich Deutschland, Österreich und die Schweiz nicht mehr alleine hinkriege und die Eurovisions-Melodie als solche nicht mehr erkenne, dann ist spätestens Schluss.

… über Barbara Schöneberger
Das Entscheidende in unserem Beruf ist die Fähigkeit, sich nicht ernst zu nehmen – die ist bei Barbara sehr ausgeprägt. Aber ich glaube, in der Beschreibung der eigenen Unzulänglichkeiten bist du irgendwann am Ende. Wenn du dich oft genug über deinen Hintern und über alle möglichen körperlichen Vor- und Nachteile ausgelassen hast, ist diese Karte ausgereizt. Soviel zu Barbara, die ich sehr schätzen gelernt habe. Als ich sie erstmalig gesehen habe, habe ich immer gedacht: „Irgendwann poppen ihr die Augen raus und du musst gucken, dass du rechts oder links schnell ausweichst.“ Aber sie ist nicht mehr so gierig auf diesen Job, wie sie mal war, das macht sie wesentlich souveräner – ich schätze sie sehr.