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Großer Erfolg vier Jahre nach Kampagnenstart - Initiative schüttelntötet erreicht, dass alle Hamburger Eltern in U3 über Schütteltrauma aufgeklärt werden

Hamburg, 4. November 2021 – Vor vier Jahren präsentierte die API Kinder- und Jugendstiftung im Seziersaal des Medizinhistorischen Museums des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) die bundesweite Plakat-, Online- und Kinokampagne #schüttelntötet. Das Ziel war und ist, tödliche Schütteltraumata bei Säuglingen und Kleinkindern zu verhindern. Heute ist der Kreis der offiziellen Unterstützer neben dem Institut für Rechtsmedizin und der Kinderklinik im UKE auch um die Sozialbehörde der Stadt Hamburg sowie den Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte erweitert. Offiziell startet heute der hamburgweite Versand von Flyern mit einem Sticker für U-Hefte sowie die Freischaltung einer 24-Stunden-Hotline. Damit geht die Kampagne #schüttelntötet mit zusätzlichem Rückenwind in die zweite Runde. Bei einer großen Pressekonferenz im Fritz-Schumacher-Hörsaal des UKE präsentieren die Initiatoren die nächsten Schritte. Es moderiert Dr. Susanne Holst.

Die engagierte Vorsitzende der Stiftung, Imme Adler, und ihre Töchter Mika, Julie und Mandy erarbeiteten mit den Rechtsmedizinern rund um Prof. Dr. Benjamin Ondruschka und Prof. Dr. Dragana Seifert das Herzstück der Kampagne. „Ich bin glücklich, dass unsere Aufklärungsarbeit in Hamburg sehr konrete Formen annimmt“, sagte Imme Adler. „Unsere Kampagne hat das Ziel, Eltern in ganz Deutschland zu erreichen. Wir sind erst dann zufrieden, wenn uns das gelungen ist.“ Jährlich werden in Deutschland bis zu 200 Kinder in einem Moment der Überforderung, Verzweiflung oder Unwissenheit von einem wütenden Elternteil geschüttelt und damit lebensgefährlich verletzt. Schütteln endet bei einem von fünf Säuglingen tödlich, etwa zwei Drittel sind danach sehr schwer behindert. Die Dunkelziffer ist hoch.

Der Leiter des Instituts für Rechtsmedizin (UKE, Hamburg), Prof. Dr. Benjamin Ondruschka sagt: „Prävention kann nur erfolgreich sein, wenn sie rechtzeitig greift und richtig platziert ist. Das übliche Alter von Säuglingen beim Erleiden eines Schütteltraumas liegt zwischen dem zweiten und sechsten Lebensmonat. Die diesem Zeitraum am nächsten liegende, standardisierte ärztliche Untersuchung ist die allen Eltern empfohlene U3-Vorsorgeuntersuchung, die regelhaft in der 3. bis 8. Lebenswoche der Säuglinge vorgesehen ist. Mit der jetzt startenden Aufklärungskampagne geben wir allen Hamburger Eltern wesentliche Merkmale des Schütteltraumas und Vermeidungsstrategien in schweren Stresssituationen an die Hand. Eltern werden mit einem Flyer in Verbindung mit einem Aufklärungsgespräch im Rahmen der U3-Untersuchung für das Thema sensibilisiert, ein Sticker im Untersuchungsheft wird an das Gespräch erinnern.“

Clusterrandomisierte Machbarkeitsanalyse am UKE

Vor dem heutigen Start der Kampagne erfolgte eine clusterrandomisierte Machbarkeits-analyse am UKE in sieben hinsichtlich der Praxisgröße und des Einzugsgebietes in Hamburg bewusst heterogen ausgewählten Kinder- und Jugendarztpraxen. Diese sollten die Notwendigkeit und den Wunsch um mehr Aufklärung im Umgang mit exzessiven Babyschreien und dem Schütteltrauma prüfen. Die beteiligten Eltern bewerteten die jetzt startende Präventionskampagne insgesamt mit einer 1 minus und profitieren von ergänzenden Erläuterungen der Ärzte und Ärztinnen zum Thema. Diese bestätigten das Interesse der Eltern am pilotierten Topic.

Es erschreckt, dass 6 Prozent der 245 teilnehmenden Eltern das ’Schütteln des Babys? als eine probate Möglichkeit sahen, ein Baby bei exzessivem Babyschreien zu beruhigen. Nur 40 Prozent der Eltern haben auf die Frage nach der richtigen Handlungsoption korrekt geantwortet.

Die Evaluation der Präventionskampagne #schüttelntötet zeigte insgesamt eine hohe Akzeptanz seitens der Eltern, Ärzte und Ärztinnen für das Projekt und die Notwendigkeit, allen Eltern mehr Wissen über den persönlichen Umgang mit exzessivem Babyschreien zu vermitteln. Nach erfolgreicher Einführung und Verstetigung in Hamburg ist geplant, die Kampagne national zu erweitern.“

Dr. Dirk Bange, Leiter der Abteilung Familie und Kindertagesbetreuung, sagt als Vertreter der Hamburger Sozialbehörde: „Ich freue mich sehr, dass wir gemeinsam mit der API Kinder- und Jugendstiftung und dem Institut für Rechtsmedizin die Kampagne nun starten können. Leider unterschätzen immer noch viele Eltern die Risiken auch leichten Schüttelns für die Entwicklung ihrer Kinder. Wir möchten durch gezielte Aufklärung in Kooperation mit den Kinderarztpraxen im Rahmen der U3-Vorsorgeuntersuchungen präventiv wirken. Wenn es uns gelingt, ein Problembewusstsein zu schaffen, leisten wir damit einen wichtigen Beitrag zum Kinderschutz.“